Cucaracha-Plage und Lebensmittelschein

26. Mai 2010, Abgelegt unter: Allgemein

Liebe “Freunde des guten Geschmacks”,

die Überschrift spricht für sich, da muss ich mir ja nicht die Finger wund tippen.
also… tschüsssss…

okay, okay, wenn Ihr mich so lieb bittet.
Kakerlaken sind hier auf den Kanaren ziemlich große Viecher. Meinetwegen sind sie in Timbuktu Ost noch größer, aber da leben wir ja nicht. Angefangen hat es mit toten Kakerlaken, die in unserem Schlafzimmer lagen, als wir morgens aufwachten. Tote sind uns die Liebsten, aber wir wunderten uns schon. Irgendwann wurden es nachts, beim Filme gucken, immer mehr (lebendige), die unseren Weg kreuzten, an der Decke hingen, oder von unserer Katze auf den Rücken gelegt wurden. Unter großem Ekel fingen wir sie und schmissen sie ins Klo. Als Tom für ein paar Tage im Norden war, wurde mir von meiner Chefin Angst gemacht, dass es zu dieser Jahreszeit nicht gewöhnlich sei, dass Kakerlaken in so rauen Mengen in dieser Höhe unterwegs sind. Sie vermutete, dass die sich da irgendwo eingenistet hatten, im Gebälk des Hauses, und ob wir wüssten, ob das Haus vor unserer Vermietung eine Weile leer stand, oder der Vormieter in puncto Sauberkeit verkackt hat. Wussten wir alles nicht. Wir wussten nur, dass es immer mehr wurden und eines Nachts meldete sich Tom’s siebenter Sinn, er knipste die Taschenlampe an und betrachtete die Decke über unserem Bett und dort, wo die Hängelampe angebracht ist, nahm er zwei lange Fühler wahr. Noch in dieser Nacht stopfte er das Loch notdürftig und am nächsten Tag schloss er alle Ritzen mit Silikon, öffnete das Lampenloch und spritzte eine ordentliche Ladung Gift in den Hohlraum zwischen der gezogenen Decke und der Eigentlichen.
Mama mia, was da los war, nachdem alles dicht war. Ein Rascheln und Tumult von nervenvergifteten Kakerlaken. Grauenvoll. Und das alles über unserem Bett. Mir wird noch immer schlecht, wenn ich nur darüber nachdenke. Den Rest der Wohnung machte Tom so gut es eben ging auch noch dicht und sprühte das 1 Jahr anhaltende Nervengift in die hintersten und dunkelsten Ecken, wo keiner von uns Dreien mit in Berührung kommt.

Nun zum zweiten Teil der Überschrift… Lebensmittelschein… Ich brauche naturgemäß einen für die Arbeit und Tom will auf den Fiestas Crêpes verkaufen. Also meldeten wir uns für die Prüfung an. Auch eine meiner Kolleginnen musste ihn noch ablegen. Nun waren wir zu dritt.
Das sonst so pingelige, korintenkackende Deutschland schlumpert mit dem Lebensmittelschein rum, ich sage euch… als ich den gemacht hatte, brauchte ich nicht mal mehr zur ärztlichen Untersuchung. Ich brauchte bloß Kreuze zu machen, dass ich keinerlei Krankheiten habe und vor Gesundheit kaum noch laufen kann, den Wisch unterschreiben, und schon hatte ich einen lebenslang gültigen Schein, dass ich mit Lebensmitteln arbeiten darf. Ein Jahr vorher gab’s noch ärztliche Untersuchungen, aber auch danach konnte man sich infizieren und das ging dann allen am Arsch vorbei, für den Rest deines Lebens.

Aber das sonst so zähflüssige Spanien übertreibt plötzlich aus einer Laune heraus, Menschenskind. 59 Seiten hochfachspezifisches Spanisch, von einem Maschinengewehr vorgelesen, zwei Tage am Stück, á 4 Stunden und gleich im Anschluss die Prüfung, mit 40 Fragen, für die eine Stunde Zeit ist. Und… sehr verehrte Damen und Herren, die Frau hat bestimmt 26 Wörter pro Sekunde rausgehauen. Meine Kollegin, die seit sieben Jahren hier lebt und mit einem Palmero zusammen ist, hatte große Schwierigkeiten zu folgen – rein akkustisch.
Nachdem ich verzweifelt am Boden lag, weil all meine Gehirnwindungen explodiert, meine Augenringe gewachsen und meine Haare ergraut sind, rettete der Mensch, der auf spanisch nun wirklich nur bis zwanzig zählen kann, unsere Prüfung. Es gab zwei Prüfungsbögen. Jeweils dieselben Fragen, nur in unterschiedlicher Reihenfolge. Tom machte über zwei Plätze “zzzz” zu mir, ich schaute auf sein Blatt und er hatte bereits 80% angekreuzt. Letztlich haben wir alle drei mit nur einem Fehler bestanden und sind wieder einen Schritt weiter.

Für den Jeep haben wir noch immer keinen Käufer gefunden. Tom hatte jetzt schon mehrere Gespräche und alle taten auch immer sehr angetan, aber letzten Endes meldete sich niemand mehr. Einmal fuhr er hoch nach El Paso, weil er wieder einen Palmero am Haken hatte. Er parkte den Wagen ein wenig ungünstig und sah plötzlich die Guardia Civíl auf ihn zukommen. Er wollte sich schon mit drei Brocken Spanisch erklären, als sich herausstellte, dass einer von den breitschultrigen Uniformierten der eventuelle Käufer war. Tom im Verkaufsgespräch mit Bullen. Was für eine Vorstellung.

Hmm… unser Riesenradieschen ist jetzt ein wahres Monster geworden und jetzt bilden sich endlich die Samenkapseln.
Wenn wir das schätzungsweise 76,23 Kilo schwere Radieschen dann ausbuddeln, machen wir ein Trophäenphoto für Euch.

Guckt selbst:

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Und hier noch für meine Fans: Der Golf von Mexico vor der Küste von Louisiana:
(Danke für die Komplimente)

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freundlichst…
Matuschke/Müller

5 Kommentare »

  1. Oh man, schei…. Ich habe gerade gegessen, als ich das gelesen habe, weil ich den Blog gern zu meiner kleinen Essenspause auf Arbeit lese. Ich hätte bei der Überschrift lieber mitdenken sollen. *Bäh*

    Kommentar von Sabrinita — 26. Mai 2010 @ 17:07

  2. [...] Tom und Sophie auf La Palma lösen ihr Kakerlaken-Problem. [...]

    Pingback von datenklause.de » Blog Archive » La Cucaracha — 27. Mai 2010 @ 14:51

  3. ich werd euch besser nicht besuchen kommen. scheint mir zu kafkaesk bei euch zu sein.

    Warum haben die rechten 2 Haie denn USB Sticks im Mund? … Der Arme Kraker! Hoffentlich kann er sich noch in Sicherheit bringen.

    Kommentar von Lutz — 28. Mai 2010 @ 01:41

  4. Also ich hätte mir auch ein Foto von einer dieser Kakerlaken gewünscht. Ein schön bildfüllendes Portrait.

    Kommentar von Sirko — 28. Mai 2010 @ 13:53

  5. @ TechnikLutz: Die “Haie” sind eben up to date
    @ Sabrinita: lo siento
    @ Sirko: Musst du herkommen und selbst fotografieren. Die sind nämlich nicht nur riesig, sondern können auch noch idiotisch schnell rennen.
    hab se gefunden:

    http://www.google.com/imgres?imgurl=http://mclovinweb.files.wordpress.com/2009/07/cuca1-2.jpg&imgrefurl=http://mclovinweb.wordpress.com/2009/07/15/hoy-hablaremos-de-cucarachas/&usg=__7wCmH5aFU_7zAhAf9MP91yTIcIQ=&h=267&w=382&sz=28&hl=de&start=19&itbs=1&tbnid=yBo4W5PUJPFGZM:&tbnh=86&tbnw=123&prev=/images%3Fq%3Dcucarachas%26hl%3Dde%26sa%3DX%26tbs%3Disch:1%26prmd%3Div

    Kommentar von sophie — 29. Mai 2010 @ 14:26

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