
Na ihr Rostbratwürste,
seid ihr denn jetzt schon von allen Seiten knusprig? Oder solltet ihr noch ein wenig länger gegrillt werden? Aber auch hier ist grad der Levante eingetroffen. Der Saharische Wüstensturm, der einem ohne Pause permanent einen Fön ins Gesicht bläst. Mama Mía. Falls ihr also wissen wollt, wie sich das anfühlt; in dem Falle kann man es bedenkenlos ausprobieren: Man nehme einen Fön, stelle ihn auf warm, oder noch wärmer als warm, und ziele directamente auf den Körper. This is called “Levante”. Nasse Handtücher in den Fenstern sind ein Muss, denn wenn der Calima oder der Levante aufkreuzt, sinkt das Hygrometer aber mal jaaanz rasch.
Da fragt sich Euereins selbstverständlich, wieso ich hier im Haus am PC sitze und über’s Wetter schreibe, während ich doch schon längst die erfrischende Kühle des Atlantiks genießen könnte. Berechtigt, durchaus!
Aber erstens muss ich mich noch regenerieren weil wir gestern auf einer Party waren von 4 Geburtstagskindern, die zum Schluß ausartete mit, wir schmeißen uns jetzt alle in den Pool, und die Anderen auch. Aber in voller Montur in einen Pool zu springen hat irgendwie was Bescheuertes. Also zogen wir uns dezent zurück an die Bar. Langweiler, hm?
Zweitens haben wir eine arme, schwarze Katze mit einem eingewickeltem, gebrochenem Beinchen im Haus rumliegen. Eines Abends humpelte sie plötzlich an uns vorbei, ins Haus und schmiss sich auf die Couch. Als Tom sie irgendwann hoch hob und sie kläglich mauzte, und sie zudem auch noch auf unseren Sitzsack pinkelte, wodurch wir mitbekamen, dass sie Blut im Urin hat, stand der Beschluss fest, den besten Tierarzt der Insel mal kennenzulernen. Der ist so einfühlsam und liebevoll im Umgang mit Tieren, und dann auch noch der Preiswerteste, dass das Wartezimmer naturalmente aus allen Nähten platzte. Tja, jetzt liegt sie hier mit ihrem dicken Beinchen. Anfangs konnte sie damit gar nicht aufstehen und hat eine Rolle rückwärts nach der anderen gemacht. Aber so eine tapfere Katze ist mir noch nicht untergekommen. Die hat alles so duldsam über sich ergehen lassen (jetzt noch immer), weil sie uns völlig vertraut. Das macht die Sache einfacher und ist ein schönes Gefühl. Noch brauchte sie den schrecklichen Plastiktrichter nicht über ihr Köpfchen gestülpt zu bekommen, denn noch ging sie nicht an den Verband. Aber wer weiß, das muss ja eigentlich irgendwann anfangen zu jucken so ohne Luft am Bein. So ein Trichter um den Kopf ist dann bestimmt voll die Qual.
Dennoch werd ich gleich runter fahren, seid beruhigt, ich nutze die Anwesenheit des Atlantiks durchaus. Ein Grund hier zu sein…
Ansonsten haben wir ein wenig die WM mitverfolgt, saßen mit einigen Leuten in der Villa rum, die wir mal gegen Arbeit bewohnt hatten, und die jetzt Ferienvermietet wird. Dort wurde eine Beamer aufgebaut und es gab das leckere palmerische Garimba-Bier, mit Calderawasser gebraut. Ein wenig malzig, aber gar nicht schlecht. Für Jever und Holsten-Freunde weniger geeignet. Aber für Bud-Trinker isses was.
Kreischende Frauen, fluchende Männer, laute “weg, weg”-, “ran da”-, “nach vorne”- und “lauflauf”- Rufe, empatisches “aua” von der Frauenfraktion, wenn sich die Fußballer gegenseitig umrennen, auf sich rauftreten, Bälle ins Gesicht kriegen. Am nächsten Tag bekundete mir der Tierarzt sein Beileid, weil ich als Deutsche gegen Spanien verloren habe… ![]()
Die waren aber auch eine Traummannschaft. Heute werd ich sie noch ein letztes Mal sehen, dieses präzise, eingespielte Team, während Tom im Norden von dem Rest der Welt abgeschottet ist und einsam in sein Saxophon bläst. Die traurige “Ich-verpass-das-Finale”-Melodei. Nein nein, wir sind ja gar nicht so, aber ich gebe zu, bei der WM macht es Spaß zuzugucken, sich die großen Fußballländer reinzuziehen, Argentinien, Brasilien, Mexico, Uruguay, mama mía, das ist Fußball. Das macht Spaß zuzusehen. Diese tänzelnde Ballsicherheit.
Aber genug, ich wollte doch nur über’s Wetter reden.
Bleibt tapfer in eurer Freiluft-Sauna.
Los Palmeros




































































