Liebe Froinde,
Jetzt sind 10 Tage seit Toms runder Geburtstagsparty vergangen. B.B.B. und B. B. haben uns zu diesem Anlass besucht. Sie waren nur eine Woche hier, aber haben die halbe Insel abgetragen und in Basts Aquarium geworfen. Aber all das ist nicht so schlimm wie ich finde. Schlimmer war, dass sich Bast, als die Geburtstagsparty in vollem Gange war, völlig kaputt ins Bett gehaun hatte. Es waren so an die 25-30 Leute da. Unter anderem der Palmero, den wir seit unserem ersten Urlaub hier kennen. Tom hatte ihn gebeten zu seinem Geburtstag eine original palmerische Nachspeise zu zaubern, denn Dominik is unter zahlreichen anderen Talenten (ich sag mal, er kann mit Pflanzen sehr gut) Koch und hat in der Schweiz gelernt. Dieser NachTISCH war ein Gedicht. Es war eine sehr kompakte Keksmasse aus zerbröselten Keksen, süßer Kondensmilch und Kokos und Mandeln zusammengepresst. Er hat soviel gemacht, dass ich Tagelang nichts anderes mehr essen brauchte.
Außerdem gab es totleckere Gulaschsuppe und zum nach Hause rollen brauchte man nicht unbedingt ein Auto, es sei denn es ging bergauf.
Während Tom über Weihnachten in Deutschland war hab ich in dem Haus einer Freundin hier gewohnt. So ein süßes Hutzelhäuschen mit ganz viel liebe- und geschmackvollem Schnickschnack und das Beste war das Bücherregal in der kleinen Schlafhöhle und die Lesebeleuchtung. Sanji hat mich hier schon seit jeher mit Büchern versorgt, und über ihre Bücher bin ich auf mein neues Interesse gestoßen. Bienen, Imkerei und gefüllte Honigtöpfe. Und um zu sehen ob nicht nur die graue Theorie meins ist, werde ich bei deutschen Imkereien wwoofen. Das heißt im Klartext, ich verlasse dieses Inselchen wieder. Es ist halt begrenzt, und das sollte als Erklärung reichen. Und der Atlantik is noch die angenehmste aller Begrenzungen hier.
Am letzten Urlaubstag unseres Besuches lernte ich den Atlantik noch mal ein wenig anders kennen. Wir fuhren zu dritt zur Piratenbucht um dort zu baden, was ich noch nie gemacht hab, weil dort bis jetzt immer Wellengang war und halt viele scharfkantige Felsen. Es sah auch diesmal etwas grenzwärtiger aus, aber wenn man den Rhythmus abpasst, indem sich nicht soviel abspielt, kann man sich ja wieder irgendwo aus dem Wasser ziehn. Bast sagte, er geht erst rein, wenn ich drin bin. Also setzte ich mich wie ein Profi mit der Schwimmerbrille auf den Felsen und wartete die Wellen ab. Dann kam der Überwindungsgedanke aller dämlichen Ängste, dann der Sprung. Unterwasser ging es dann weiter mit dem unprofessionellen Wegrutschen meiner Schwimmerbrille und dem Rausspülen meiner Kontaktlinsen. Ich gebe zu, ich war verdutzt. Wieder an der Oberfläche rief ich Björn zu, er solle nich zuviel Bier trinken, denn ich könne nicht mehr fahren. Und dann ging auch schon das Wellenbad los. Erst wird man geschubst, dann kommt ein Sog, dann in die andere Richtung, hoch und runter und ich konnte die Entfernungen zu den Klippen und den Wellen optisch nicht mehr so gut einschätzen. Also musste ich mich auf mein Gefühl verlassen. Bei den Wellen, die mich Richtung Bucht schwappten war das Gefühl ganz deutlich: Angst vor den Felsen, bei dem Sog, der mich rauszog aufs Meer war mein Gefühl auch ganz deutlich: Angst vor den Strömungen, die einen auf offene See bis nach Kuba tragen. Also schwamm ich ziemlich unkontrolliert immer in die entgegengesetzte Richtung. Kraftlos inner Wellenpause kam ich am Felsen, von dem ich gesprungen war, an und wollte hochklettern, doch ich rutschte am Algenschlamm ab und die nächste Welle riss meine Finger vonner Wand. Das Gefühl kann ich auch ganz klar ausdrücken: Panik…
Also wartete ich im Wellenbad wieder die nächste Pause ab und versuchte es woanders. Nachdem ich halbblind die ganze Bucht von rechts nach links zu den anderen gekraxelt bin, sah ich dann Bast, der von ordentlich weit oben reinsprang und an der Treppe problemlos rauskam, hin-her, hin-her. Er nahm sich meine Flossen und konnte problemlos gegen die Wellen anstinken, während er mit seiner Unterwasserkamera filmte. Ich hätte soviel Spaß haben können, aber ohne Augen, gleich durch den ersten Sprung, war ärgerlich.
So kamen auch die beiden nicht mehr zu ihrem Lieblingsstrand, Playa Veta, wo es nur feinsten Sand gibt, kein Steinchen und wo wenig Leute am Strand sind, weil er so mühevoll zu erreichen ist. Tja, geteiltes Pech is halbes Pech
Von meinem blutüberströten Schienbein erzähl ich jetzt nicht. Gott sei Dank hätte ich die Haiflosse nicht gesehn, wie sie auf mich zukommt.
So, da ich jetzt auf die letzten Stunden viele Verabredungen habe und heute ein Schokofondue ansteht, brech ich dieses ganze Getippsel hier ab und sage: Bis in Bälde!!!
Liebe Grüße von
Tom und Sophie
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